Mit 27 Jahren ist Felix Kjellberg der grösste YouTuber der Welt. Jetzt wird ihm die Verbreitung von antisemitischen Inhalten auf seinem 55 Millionen Abonennten schweren Kanal vorgeworfen. Sein Partnernetzwerk Maker Studios hat nun offiziell die Zusammenarbeit mit PewDiePie beendet. Auch YouTube reagiert mit drastischen Schritten. PewDiePie weist jedoch jegliche Vorwürfe zurück.

Der bekannte YouTuber PewDiePie wurde aus seinem Partnernetzwerk Maker Studios des bekannten Medienkonzerns Disney ausgeschlossen. Das Netzwerk hält PewDiePies Videos für „unangebracht“. Durch seine „provokative und respektlose Art“ habe er sich zwar eine enorme Fangemeinde geschaffen, jedoch sei er nun „eindeutig zu weit gegangen“, zitiert das amerikanische Magazin „Time“ aus einem Statement des Netzwerks. Auch das amerikanische Wall Street Journal hatte über den Rauswurf berichtet.

Hiermit spricht Maker Studios konkret über die Videos, welche PewDiePie in den letzen fünf Monaten veröffentlicht hat. Störende Inhalte wie antisemitische Witze und Nazi-Symboliken könne das Netzwerk nicht vertreten. Ein oft genanntes Beispiel ist das Video vom 11. Januar, in welchem zwei lachende Männer ein Schild mit der Inschrift „Death to all jews“ (übersetzt: „Tod allen Juden“) in den Himmel empor strecken.

PewDiePie hatte die Männer über die Website „Fiverr“ gegen Bezahlung zu der Aktion aufgerufen. Einige vermuten auch, dass die beiden Protagonisten womöglich gar nicht gewusst haben, was sie da eigentlich tun. Inzwischen wurde der Videoclip mehrere Millionen Mal angeklickt. In einem anderen Video vom Februar spricht ein Mann, der verkleidet als Jesus auftritt: „Hitler did nothing wrong.“

YouTube setzt 2. Staffel „Scare PewDiePie“ ab

YouTube reagiert nun auch auf die Vorwürfe gegen das berühmteste Gesicht der Plattform, wie das Technikportal The Verge berichtet. Die Google-Tochterfirma gab bekannt, dass man die zweite Staffel der exklusiv für YouTube-Red produzierten Serie „Scare PewDiePie“ abgesetzt habe. Ausserdem kündigte die Videoplattform dem schwedischen Videocreator die Teilnahme am Top-Werbeprogramm „Google Preferred“. Die umstrittenen Videos würden die YouTube-Richtlinien allerdings nicht verletzen. Man habe bei einem der Videos die Monetarisierung nun aber deaktiviert.

Casey Neistat: „Ich denke nicht, dass er ein Antisemit ist“

„I don’t think, he’s interested in preaching hate. I don’t think, he’s an anti-semite. I don’t think, his intend was to spread hate“ — Casey Neistat
(Übersetzung durch uns: Ich denke nicht, dass er interessiert daran ist, Hass zu predigen. Ich denke nicht, dass er ein Antisemit ist. Ich denke nicht, dass es seine Absicht war, Hass zu verbreiten)

Vlogger Casey Neistat verteidigt PewDiePie zwar und meint, er sei sicher kein Antisemit und würde nicht Hass verbreiten wollen. Zugleich appelliert er aber auch an berühmte YouTuber mit einer großen Reichweite, ihre Vorbildfunktion nicht zu unterschätzen. Verantwortung sei es, seine Zuschauer zu verstehen und die Wirkung der eigenen Worte zu bedenken. „Wenn du einen Witz erzählst, verstehen ihn deine Zuschauer vielleicht nicht so, wie du ihn interpretierst“, meint Neistat in seinem Video. Er warnt außerdem, dass „die moralische Einstellung junger Zuschauer“ in eine Richtung geführt werden könnte, „die sich keiner wünscht“.

PewDiePie spricht sich gegen die Vorwürfe aus

PewDiePie erläutert jedoch jetzt, dass er in keinem Falle antisemitische Gedanke hätte verbreiten wollen. Er wollte lediglich aufzeigen, wie verrückt die moderne Welt ist. Auch dementiert er im schriftlichen Statement, dass viele Menschen für ein wenig Geld alles machen würden. Sein Video sollte wirklich nur rein der Unterhaltung und nicht als politische Botschaft dienen.

„In keiner Weise unterstütze ich irgendwelche hasserfüllten Einstellungen“, schrieb er in einem vergangenen Sonntag veröffentlichten Blogbeitrag auf tumblr. Weiter räumte er auch ein, dass einige „Witze“ eventuell zu weit gegangen seien. Das umstrittene Video sowie zwei weitere Videos wurden mittlerweile auf privat gestellt. PewDiePie hatte sie trotz heftiger Kritik lange Zeit nicht vom Netz genommen.

http://pewdie.tumblr.com/post/157160889655/just-to-clear-some-things-up

Wo liegt die Grenze von schwarzem Humor?

Wer PewDiePie schon seit längerem verfolgt, der weiss, dass er oft ausfallend ist und ein sehr dunklen Humor hat. Jedoch lässt sich jetzt die Frage stellen, ob es sich hierbei noch um schwarzen Humor handelt.

Mit seinen 55 Millionen Abonnenten verfügt PewDiePie über eine enorme Reichweite. Da er auch ein eher junges Publikum hat, ist es schwer zu sagen, wie diese seine Aussagen und Videos wahrnehmen. Daher trägt er eine gewisse Verantwortung, seinen Humor klar zu definieren, was er in den vergangenen Jahren auch ganz klar gemacht hat.

Allerdings wird der Skandal auch PewDiePie’s Image stark belasten. Die Absetzung seiner YouTube-Red Serie sowie die Kündigung des Top-Werbeprogramms wird für den 27-jährigen Videoproduzenten auch wirtschaftliche Folgen haben. Angesichts seines 2015 erwirtschafteten Gewinns von 7,1 Millionen Euro dürfte dies allerdings – zumindest aktuell – noch nicht seine Hauptsorge sein.

Doch was ist Deine Meinung? Kann er solche Aussagen und Einblendungen verantworten? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!

Sein letztes Video:

 

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